Das klangliche Grundprinzip des Akkordeons – frei schwingende, durchschlagende Zungen, die durch Luft in Bewegung versetzt werden – stammt ursprünglich aus China. Bereits im frühen 19. Jahrhundert entstanden in Europa Instrumente, die auf diesem Prinzip basierten und den Weg für die Entwicklung des Akkordeons ebneten.
Die eigentliche Geschichte des Akkordeons beginnt im Jahr 1829 in Wien, als der Instrumentenbauer Cyrill Demian ein neues Instrument unter dem Namen „Accordion“ patentieren ließ. Die entscheidende Neuerung bestand darin, dass mit einem einzigen Knopfdruck ein kompletter Akkord erzeugt werden konnte – ein revolutionärer Schritt in der Instrumentenentwicklung.
Zwischen 1840 und 1845 entstanden in Städten wie Gera, Magdeburg und Berlin die ersten Werkstätten und Fertigungsstätten für Ziehharmonikas. 1852 begann die Akkordeonproduktion in Klingenthal, wo bis 2024 zuletzt unter dem Namen Weltmeister Akkordeon Manufaktur GmbH Akkordeons gebaut wurden. 1903 startete bei Hohner in Trossingen die Produktion von Handharmonikas. Ursprünglich auf Mundharmonikas spezialisiert, entwickelte sich Hohner zur zeitweise weltweit größten Harmonikafabrik und prägte die industrielle Fertigung von Akkordeons entscheidend.
Einen eindrucksvollen Einblick in diese bewegte Geschichte bietet das Deutsche Harmonikamuseum in Trossingen. Mit mehr als 25.000 Exponaten gehört es zu den wichtigsten Sammlungen zur Entwicklung von Akkordeon und Harmonika weltweit.
Das Akkordeon ist damit ein vergleichsweise junges Musikinstrument. Dank seiner Vielseitigkeit und seiner kompakten Bauweise verbreitete es sich in erstaunlich kurzer Zeit in zahlreiche Länder und Musikrichtungen. Aus dem einst kleinen, handlichen Spielgerät wurde im Laufe der Jahrzehnte ein hoch entwickeltes, weltweit geschätztes Konzert- und Orchesterinstrument.
Lange Zeit wurde das Instrument in Deutschland auf die Volksmusik reduziert und wenig schmeichelhaft als „Quetschkommode“ bezeichnet. Dieses Bild hat sich jedoch grundlegend gewandelt. Neue Spieltechniken, hochwertige Instrumente, anspruchsvolle Kompositionen und nicht zuletzt die Arbeit engagierter Orchester und Solisten haben dazu beigetragen, das Akkordeon als vollwertiges Konzert- und Orchesterinstrument zu etablieren.



